David Junker

Foto: Jan Michael Schuett

Was treibt mich an?

Wie viel andere Hobbyimker habe auch ich mit der Bienenhaltung begonnen, weil mir der Gedanke gefiel, eigene Bienen im Garten zu haben. Etwas Honig für den eigenen Bedarf, einen Beitrag zur Bestäubung zu leisten und sie einfach zu beobachten.

Damals wusste ich noch nicht, wie sehr diese kleinen Lebewesen mein Leben verändern würden. Von Anfang an genoss ich es in ihrer Nähe zu sein, dem Summen zu lauschen und die Entwicklung eines Bienenvolkes zu verfolgen. Ich war fasziniert von ihrer ruhigen emsigen Art und wie sie ihre Umgebung den ganzen Garten mit Leben erfüllten. Langsam wuchs eine tiefe Hochachtung und Zuneigung zu diesen kleinen summenden Mitbewohnern.

Mit allem was ich bei ihnen beobachtete und über sie lernte, wuchs diese Faszination und das Verlangen mehr über ihre so komplexe und geheimnisvolle Lebensweise zu erfahren und ich sog alles was ich über sie lesen und lernen konnte förmlich in mich auf.

Wie jeder, der sich mit den Bienen und deren Haltung beschäftigt, wurden auch mir mehr und mehr die Probleme bewusst, welche die Bienen heutzutage so zusetzen. Seitdem überlegte ich, wie man das Leben der Bienen verbessern kann um ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Mir war klar, dass man an manchen Problemen, wie z.B. die Nahrungsknappheit durch ausgeräumte Landschaften oder die Schwächung der Bienen durch Umweltgifte nicht unmittelbar etwas ändern kann. Deswegen wurde mir bewusst, dass ich die Bienen durch meine Art und Weise der Bienenhaltung so stärken muss, dass sie besser mit allen anderen negativen Einflüssen zurecht kommen.

Deswegen wollte ich alle imkerlichen Eingriffe, welche im Bienenvolk Störung und Stress verursachen und nicht zwingend notwendig sind unbedingt sein lassen. Außerdem machte ich mich als leidenschaftlicher Tüftler und Holzbearbeiter ans Werk möglichst natürliche und artgerechte Bienenbehausungen zu entwickeln.

Meine Bienenhaltung

Jeder der Bienen hält, sollte sich die Frage stellen, wie würde man selbst als Biene leben wollen. Ich selbst bin der festen Überzeugung, dass jedes Lebewesen das Recht hat so zu leben, wie es ihm von Natur aus bestimmt ist. Deswegen ist es mir eine Herzensangelegenheit, dass meine Bienen bei mir so leben dürfen, wie sie es in der Natur auch tun würden. In möglichst natürlichen Behausungen, die z.B. denen von Baumhöhlen gleich oder nahe kommen.

Außerdem sollen die Bienen bei mir all ihren natürlichen Trieben wie z.B. die eigenen Waben zu bauen, das Schwärmen, sich selbst zu vermehren und fortzupflanzen ungehindert nachkommen dürfen. Weiter sollen sie ihren eigenen Honig als Wintervorrat behalten dürfen und nur etwas abgeben, wenn Überschuss vorhanden ist.

Und nicht zuletzt sollen alle störenden und negativen Einflüsse von ihnen abgehalten werden. So auch sämtliche Bekämpfungsmittel gegen die Varroamilbe. Die Bienen müssen meiner Überzeugung nach das Recht und die Möglichkeit haben sich selbst an neue Krankheiten und Parasiten wie z.B. der Varroamilbe selbständig anzupassen. Vor allem weil es keine nachhaltige oder unschädliche Medikamente oder Bekämpfungsmittel gibt.

Natürlich müssen die Bienen in der Obhut des Imkers dabei verantwortungsvoll begleiten und unterstützt werden. Auch um möglichst keine anderen Völker durch Krankheitsübertragung zu gefährden. Doch dies muss und kann ohne den Einsatz von Chemikalien passieren. Nur so gibt es für die Bienen eine Zukunft ohne dem jährlichen Einsatz von Chemikalien ausgesetzt zu sein. In der Praxis gehe ich dazu folgendermaßen vor: Alle Völker werden im Sommer auf Varroabefall kontrolliert. Völker mit zu hohem Milbenbefall werden abgetrommelt oder von den Waben genommen und dürfen als Notschwarm nochmal ganz von vorne beginnen. Dies kommt auch unter natürlichen Bedingungen vor, dass ein Bienenvolk bei Gefahr oder durch Krankheitsbefall ihren Stock verlassen um als Schwarm nochmals neu zu beginnen. Der Hauptteil der Krankheitserreger und Milben verbleibt in den alte Waben und das Volk hat eine gute Chance durch einen Neustart zu überleben.

All diese Maßnahmen und Praktiken sollen die Bienen Stärken und ihnen die Möglichkeit geben ihre Selbstheilungskräfte und Fähigkeiten zu entfalten um wieder gesund zu leben, so wie sie es seit Jahrmillion getan haben.

Wo leben meine Bienen

Die ersten Jahre hielt ich die Bienen fast ausschließlich in meinem Garten. Dies hat den Vorteil, dass man die Völker täglich beobachten kann und gerade in den Anfangszeiten viel durch diese Beobachtungen lernen kann. Mein Wohnort liegt auf ca. 500 Höhenmetern am Rande des bayerischen Waldes mit Blick in die Donauebene. Die hügeliege Landschaft ist geprägt von Wiesen Feldern und Wäldern. Teilweise gibt es noch Strukturen alter Kulturlandschaft mit Feldsäumen, Streuobstwiesen Heuwiesen und Mischwäldern. Leider wurde die Landwirtschaft in den letzten Jahren mehr und mehr intesnsiviert. Der Ackerbau ist dominiert von Mais und Getreideanbau , und viele Wiesen werden mehrmals im Jahr gemäht und stark gedüngt.

Die Trachtlagen sind im Frühjahr durch Obst und Löwenzahnblüte meist sehr üppig und häufig gibt es im Sommer durch den vielen Wald oft Spättrachten. Dazwischen finden die Bienen vielfältige Läppertracht. In den meisten Jahren ist somit das Nahrungsangebot für die Bienen mehr als ausreichend und es kann durchaus Überschuss geerntet werden.

Seit kurzem betreibe ich einen weiteren Bienenstand in einem sehr großen naturnahen Waldgebiet auf 850 Höhenmetern. Dort gibt es nur Wald und Wiesen und somit sind die Bienen durch Landwirtschaft nicht beeinflusst. Außerdem gibt es kaum andere Bienenstände im Flugradius, wodurch für eine natürliche Auslese und Zucht sehr gute Voraussetzungen gegeben sind.

Was biete ich an

Nachdem ich meine selbst entwickeln Bienenkästen ausgetestet hatte, wollte ich diese auch anderen Imkern zugänglich machen.

Seit 2018 biete ich drei verschiedene Arten von Schilfrohrbeuten über die Webseite www.kleine-Holzbiegerei.de  an. Darunter auch der Bienenturm. Diese werden mit viel Handarbeit in meiner kleinen Holzwerkstatt und einer nahegelegenen Behindertenwerkstatt hergestellt.

(Fotonachweis: Portraitfoto Jan Michael Schuett)